INTERVIEW



 
                           
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Internationales Magazin für Information und kulturelle Bildung

                                 N° 10 - November 2014

                             http://levurelitteraire.com


           

Redaktion:
RODICA DRAGHINCESCU, France
 
Übersetzung:
DEUTSCH:  JÖRG BECKEN, Berlin
ENGLISH:   HOWARD SCOTT, Montréal
 



 

INTERVIEW
(deutsche Fassung)

 
 

RD: – Suzy K, Künstlerin, Musikerin, Folksängerin mit Neigung zu jazzigem Pop, Komponistin, Bühnenfrau, dreisprachig, in Deutschland geboren. In ihrer Biographie sagen Sie: „Ich begann im Alter von vier Jahren zu singen und setzte meinen Weg mit dem Gesangsstudium und einer Ausbildung an der klassischen Gitarre fort. »

Ihre Kindheit war erfreulich musikalisch. Warum und in welcher Sprache haben Sie dieses tönende Spiel unter jenen Spielen gewählt, mit denen sich kleine Kinder vergnügen?

 

SK: – Meine Familie ist Deutsch, und Deutsch ist meine erste Sprache. Aber ich wurde schon früh von allen verbalen und musikalischen Ausdrucksformen angezogen. Ich bewunderte die englischen Songs, die im Radio gespielt wurden und ich imitierte sie so gut ich konnte, mit einer unbändigen Lust ihren Sinn zu verstehen.

Ich redete und sang viel und sobald ich irgendwo ein Klavier sah, konnte ich stundenlang darauf herumklimpern, nach Melodien suchen und jedes Mal bettelte ich meine Eltern, mir eines zu kaufen. Einmal zu Weihnachten – ich war etwas fünf oder sechs Jahre alt – als ich unter der Weihnachtstanne eine kleine Orgel der Marke « Bontempi » fand. Hihi, ich erinnere mich noch an diese Super-Mega-Rhythmus-Box mit ihren vier Rhythmen « Walzer, Rock, Rumba, Slow », die ebenso klangen wie die ersten Videospiele… Na gut, das war kein Klavier, aber ich war super glücklich und habe damit viel Spaß gehabt. Als Einzelkind, verbrachte ich viel Zeit allein in meinem Zimmer und nichts amüsierte mich mehr als diese Klangspiele, die Kassettenaufnahmen, und das Lernen der Chansons, die ich liebte.

In der Grundschule lernte ich Musiktheorie und Blockflöte und ließ keine Gelegenheit aus, um an einem schulischen Auftritt teilzunehmen. Meine Tante nahm mich ab und zu mit ins Theater, und so lernte ich die großen Opern, klassische Konzerte, Theaterstücke und das Varieté kennen. Ich bewunderte die einzigartige Atmosphäre der Konzertsäle, das hat mich beeindruckt und gab mir die „Lust ». Ich fühlte mich dort angenehm aufgeregt und lebendig, ohne den Grund meiner Aufregung zu verstehen; dieses Gefühl hat sich bis heute nicht verändert, erklären kann ich es bis heute nicht. Eines ist sicher, diese ersten Begegnungen mit der Welt der Musik und der Bühne waren für mich ausschlaggebend und rufen noch immer Erinnerungen hervor…

Nachdem mir die gleiche Tante, die auch meine Patentante war, einen ganzen Stapel von Kassetten mit all den großen Werken der klassischen Musik geschenkt hatte – Audiokassetten natürlich, wir befinden uns in den 70er Jahren (!) – gab sie mir eine Kassette mit den BEATLES und von Joan Baez, ich war sieben oder acht Jahre alt; das war der große Auslöser… Ich lauschte der Bandschleife, habe mein Englisch-Wörterbuch nicht mehr aus der Hand gegeben und begann mir Gitarren zu basteln mit allem, was ich im Haus fand. Dann war es mein Großvater, der meine verzweifelte Leidenschaft für die Musik erkannte und mir meine erste Gitarre, mein erstes « echtes » Musikinstrument schenkte; ich war neun Jahre alt, was für eine Freude … Ich nahm klassischen Gitarrenunterricht am Konservatorium und begann allein in meinem Zimmer Folksongs zu lernen; es folgte die erste Komposition, die erste Gruppe, das erste Konzert…

Um zum dreisprachigen zurückzukehren, das englische kam erst in meiner späteren Jugend hinzu, zu Beginn der 1990er Jahre hat sich jedoch mein Leben komplett nach Frankreich orientiert. Aber, selbst wenn ich jeden Tag französisch spreche, bleibt die englische Sprache, ihr Klang, ihre Musikalität untrennbar mit der Musik und den Künstlern verbunden, die ich liebe….

 

RD: -: Sehr schnell entdecken und interpretieren Sie die Titel Ihrer anglophonen Idole, ein Repertoire von Folk, Pop und Rockmusik der 70er Jahre. Die Popmusik war mit dem Mystizismus verbunden, die Musiker fühlten sich durch einen magischen Faden mit dem Kosmos und der menschlichen Natur verbunden, die Sänger sahen sich als Träger von Botschaften, Boten des Friedens und der Liebe: „der Tag wird kommen, wo sie verstehen werden, dass wir alle nur Eines sind und das Leben in dir fließt, außerhalb von dir « , sangen die Beatles auf dem Album Sgt. Pepper. Die Musik der 70er Jahre hat eine Gegen-Kultur hervorgebracht, eine Bewegung mit Santana, Crosby, Stills, Nash und Young, The Doors, The Byrds, The Who, Jimi Hendrix, Led Zeppelin und nicht zuletzt Janis Joplin. Wir verdanken dieser Zeit auch Joan Baez, Bob Dylan, Pete Seeger, singer-songwriter, Dichter mit einer pessimistischen Weltsicht, die ihre Epoche prägten. Gibt es in ihren Liedern einen Widerhall, Einflüsse jener Musikkultur, die ihre Kindheit erschüttert hat?

 

 SK : – Natürlich ja, ich denke, das ist absolut unvermeidlich, zum Glück!
Wie Sie so schön ausdrücken, es bleibt ein Widerhall der Vergangenheit. Wir sind alle Produkte unserer Vergangenheit, unserer Erfahrungen, unsere Entscheidungen und unsere Vorlieben.

„Du bist was du isst », dieses Bonmot beschränkt sich nicht nur auf die Ernährung des Körpers. Alles, was wir im Laufe des Lebens durch den Mund, die Augen, Ohren, durch alle Sinne, aufnehmen, verändert uns, hinterlässt Spuren, bestimmt unseren Weg und unsere Zukunft. Und es führt zu gar nichts, seine Vergangenheit oder seine Wurzeln zu leugnen. Es stimmt, dass mich schon als kleines Kind, die „engagiert“ genannten Sänger/ Sängerinnen mehr beeindruckten als glamouröse Starlets im Stil Ken&Barbie, die man ebenfalls in den Medien der 70er Jahre sah.

Der Krieg zum Beispiel war für mich als Kind solch ein großes Thema; meine Großeltern sprachen oft davon, ich verstand, dass sie viel gelitten hatten und sah genau, dass die Gewalt immer noch existierte. Im Fernsehen sprach man über die Attentate der RAF, die im damaligen Deutschland den Terror säte. Und es war Joan Baez, die mich tröstete… und viele andere, übrigens haben Sie die meisten bereits genannt! Es sind jene, deren Gefühlstiefe in ihren gesungenen Geschichten mir einen Schauer über den Rücken jagte. Wenn ich um jeden Preis schon sehr jung Englisch lernen wollte, dann deshalb, weil diese Sprache für mich ein magischer Schlüssel war, mit dem ich eine geheimnisvolle Tür in eine andere Welt öffnen konnte, die mich intensiv ansprach, die mir so viele Geschichten erzählen und so viele Botschaften überbringen konnte. Ich erinnere mich noch heute an die Bilder, ganze Landschaften, die Songs wie « The Fool On The Hill » (Beatles), « Boat On The River » (STYX), « Dust In The Wind » (Kansas) und « Where have all the flowers gone » (J.BAEZ) in meinem kleinen Kopf hervorriefen.

Es war wie eine Parallelwelt, in der man sich gut verstecken konnte, um sich weniger allein zu fühlen. Mit den Wirrungen der Pubertät sind die pompösen Gitarren und der Rock in mein Kinderzimmer eingefallen. Led Zeppelin, Deep Purple, Yes, Janis Joplin, Thin Lizzy, Jimi Hendrix, Joan Jett & The Blackhearts… mit ihnen wurde meine Liebe zur Rockmusik geboren, die mehr als zehn Jahre meine musikalische Laufbahn bestimmte, bevor ich mich wieder den intimeren akustischen Songs widmen wollte; meine große Göttin der heutigen Zeit: Tori Amos, eine wunderbare Künstlerin, ganzheitlich, aufrichtig, wunderbare Pianistin und Komponistin, für die ich eine unendliche Hingabe empfinde.
Aber auch Carole King, Rickie Lee Jones, Joni Mitchell, Alanis Morissette, Noa und viele andere Sängerinnen (Autorinnen!) haben mein Leben begleitet und sind immer noch bei mir.
Letztendlich, glaube ich, wechseln sich die Musikstile, die Genre, die Einflüsse im Leben eines jeden Musiker ganz natürlich einander ab.

Ziemlich spät begegnete ich dem Jazz, und erneut, habe ich mich verliebt in seinen Klang, die Schönheit seiner Texte und Melodien mit alten Themen, die so häufig schwierigen Biographien der schwarzen Musiker und Frauen jener Epoche und die Intensität der versteckten Botschaften. Billie, Ella, die Königinnen … Für mich hat Musik aufrichtig, ehrlich, authentisch und nicht sinnentleert zu sein; sei es Pop, Rock, Folk, Jazz, sie muss Herz und Großzügigkeit, Emotion haben, muss ganz einfach « wahr » sein.
Ich habe keine Vorstellung davon, an welcher Stelle in meinen Liedern man diese oder andere Einflüsse hören kann.
Beim Komponieren versuche ich so nah wie möglich an meinem Thema, an der Botschaft, am Gefühl das ich ausdrücken will, zu sein und lasse die Musik auf mich wirken. Andererseits, ist es sehr spannend und manchmal überraschend die Assoziationen der Menschen zu erfahren, die die Chansons anschließend hören…

 

RD: – Man sagt, dass Musiker, so wie die Poeten fast nie unter einem Mangel an Inspiration leiden… Woher kommt Ihre Inspiration, Suzy? Aus einer gewissen Melancholie? Einem tiefen Gefühl der Wut? Der Liebe? Unseren wirtschaftlichen Problemen? Oder ganz einfach aus dem Drang heraus, singen zu wollen?

 

SK:- Ah gut, sagt man so?

 

RD: – Symbolisch, sie sind ständig in einem poetischen Zustand, in einer Art begnadeten Zustand befangen, der sie beschützt, der sie jeden Moment anspringen kann…

 

SK: – Das überrascht mich. Ich kenne wenige Künstler, die keine Schaffenskrise befürchtet oder erlebt haben. Für mich ist es wie ein großes schwarzes Monster in der Zimmerecke, das sich manchmal zeigt und meine Inspiration lähmt. Aber ich beginne, seine Gegenwart, die leeren Phasen, zu akzeptieren. Dies sind natürliche Zyklen zwischen diesem « was geht » und « was dabei herauskommt ».

Wir essen, schlucken, verdauen, und man lässt es frei. Zwischen künstlerischer Inspiration und der Vollendung passieren viele Dinge und vergeht viel Zeit. Ein Lied kündigt sich an, wird festgehalten und „materialisiert“, mehr oder weniger leicht, es wird geschrieben und existiert. Aber warum, woher und wann es kommt, wieviel Zeit es braucht, um es zu „materialisieren“… wer könnte das sagen. Vielleicht gibt es bestimmte Seelenzustände und Geistesblitze die es im richtigen Moment hervorbringen… ein Geheimnis, auf das ich keine Antwort wüsste. Eines ist sicher, es fühlt sich gut an! Ein lebendiges Gefühl durch einen Chanson auszudrücken ist ein Vergnügen und ein Gewinn für den Künstler und – im besten Fall – für den Zuhörer.

Es kann von Wut, von Liebe handeln, alle Farben der Palette unserer Stimmungen lassen sich singen, spielen und ausdrücken. Seltsamerweise schreiben wir einfacher, wenn wir den Blues haben, als im glücklichen Zustand… viele Songwriter sagen das; davon handelt übrigens mein Lied « When Everything Is Fine ». Warum ist es schwieriger, einen Song im Zustand des Glücks zu schreiben und warum werden wir uns dessen, was uns nah und wertvoll ist, erst mit größerer Distanz bewusst, wenn ein Verlust sich ankündigt, uns etwas schmerzt…

 

RD: – Fragen sie sich in ihren Liedern, was die Welt hören will oder sollte?

 

SK: – Sicherlich. Es gibt noch einen weiteren Song auf meinem Album, der vom Prozess des Schreibens spricht; in « One More Song » stelle ich mir die Frage, ob die Welt wirklich noch ein Lied braucht, um durchzukommen, um besser zu werden. Ich komme zu dem Schluss, dass jeder Song, auch wenn er nur existiert, um zu gefallen, zu lindern, ein, zwei, drei Menschen in ihren Gefühlen zu trösten, lohnt auf der Welt zu sein.

 

RD : – Suzy, ist das Musikgeschäft eine Sache der Männer? Ist es einfach oder kompliziert, eine Frau zu sein und zu singen, und dabei seinen eigenen musikalischen Weg zu finden?

 

SK : – Es ist wahr, das Musikgeschäft war lange Zeit eine männliche Angelegenheit, und meiner Meinung nach ist es das immer noch ein bisschen. Das Gleiche gilt für die Chefetagen in der Musikbranche und im kulturellen Bereich.
Aber in der Musik, der Kunst im Allgemeinen, geht es, wie wir wissen, weder ohne die Frauen noch ohne Männer. Es ist offensichtlich, nur beide zusammen ergeben ein Ganzes. Im Gegensatz zu der Welt der Musikbranche, habe ich nie das Gefühl, in der Welt der Künstler missverstanden zu werden.

 

RD: – Keine Unterschiede…?

 

SK-: Mann oder Frau, wenn man sich künstlerisch ausdrückt, gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern; wenn man seinen Job gut macht, die Arbeit des Anderen respektiert, hat man seinen Platz. Ich kenne übrigens viele Künstlerinnen, Technikerinnen, Regisseurinnen und Kamerafrauen, die in der Männerwelt arbeiten und dort vollständig integriert sind.
Es ist klar, man muss es mögen, mit Männern zu arbeiten und vielleicht ist eine kleine Dosis „Männlichkeit » nicht falsch in diesem Geschäft. Auf jeden Fall, hatte ich nie den Eindruck, etwas nicht tun zu können, nur weil ich eine Frau bin.

 

RD: Vielleicht wohnen dem einige Schwierigkeiten inne…

 

SK: – Möglicherweise gibt es ein Problem, das Männer nicht haben – und das existiert in jedem Metier – Eltern zu werden erfordert seitens der Frau (und wird es immer erfordern, trotz aller Emanzipation) eine  größere körperliche und geistige Flexibilität. Abends auf der Bühne, in der Nacht, an Wochenenden, in den Ferien … das ist schwer mit einem ruhigen Familienleben zu kombinieren. Man muss sich entscheiden, eine Wahl vor der männliche Kollegen vielleicht nicht auf diese Weise stehen, aber wie gesagt, gilt dies für viele andere Berufe.

 

RD: – Frauen haben ihre grenzenlose Energie in die musikalische Welt eingebracht. Die Ladies des Rock, Pop oder Punk haben den Musikgeschmack der Frauen befreit, emanzipiert und umgestürzt. Vergessen wir nicht: Janis Joplin, das Symbol der Hippie-Generation, später die Stimme des Blues. Patti Smith mit ihrer Beat-Poesie und dem Garagen-Rock, wird als Patin der Punkbewegung bewundert.

Die Britin Marianne Faithfull, mit ihren Traditions-Songs, arbeitete sogar mit den Rolling Stones, die für sie „As Tears Go By“ schrieben.
Die schöne Amerikanerin Deborah Harry, die ihre Gruppe Blondie gründete und im Disko-Stil brillierte. Hier in Europa, Bonnie Tyler mit ihrer rauen Stimme, erfreute die Generationen der 80er Jahre…, Annie Lennox und die eklektische, eigenwillige Kate Bush, seit kurzem wieder auf der Bühne.
Ebenfalls aus dem Underground, die Sängerin Siouxsie Sioux mit dem androgynen Look, Mitbegründerin der alternativen Rockbands Siouxsie and the Banshees und The Creatures. Sie beeinflusste The Cure, Massive Attack, Garbage … Sinéad O’Connor aus Irland changierte zwischen Alternative Rock und Pop. Die isländische Björk revolutionierte die Bühne mit Underground und experimentellem Pop, Jazz-Elektro-Pop.

Die atemberaubende deutsche Sängerin Nina Hagen führte sich zur gleichen Zeit in der Punk- und New Wave-Szene ein.
Erinnern wir uns an die Rockerin Sheryl Crow mit ihrem Blues und Folk oder die sinnliche Sade, Nigerianerin, eingebürgerte Britin, sowie an die amerikanische Band The Breeders, die fast nur aus Mädchen bestand, an die Kanadierin Alanis Morisette, der sie, gestatten Sie den Vergleich, auf vielfache Weise ähneln, die Französin Catherine Ringer mit Les Ritas Mitsouko, La Grande Sophie, Mademoiselle K etc, etc.

Der Faden ließe sich beliebig weiter spinnen… Suzy, sagen Sie mir bitte, wie kann man im 21. Jahrhundert noch seine Stimme und seinen musikalischen Platz finden, nach solchen musikalischen Unwettern? Kann man noch immer mit dem Notenschlüssel arbeiten, um solches Niveau, solche Dauerhaftigkeit und Popularität zu erreichen?

 

SK : – Leicht philosophisch antworte ich: Wir sind alle einzigartig!

 

RD: – Ah…, wirklich?

 

SK: – Sogar Zwillinge sind nicht 100% identisch, die Natur scheint es wirklich so zu wollen.
Selbst die Milliarden Schneeflocken die auf der Erde landen haben unterschiedliche kleine Kristalle, einzigartig in ihrer Form. Nur ihr Material ist gleich: H2O.
Es ist in der Tat erstaunlich, was man aus den 12 Noten einer Tonleiter machen kann, all diese Milliarden Songs, die bereits komponiert wurden, die Milliarden Möglichkeiten, interpretiert durch die schönsten Stimmen, von den schönsten Frauen…

Klar, wenn man die Musik als Grand Prix der Erfindungen betrachtet, kann man in der Tat verzweifeln…
Aber es geht nicht darum, neu zu erfinden, sondern darum, das Beste, was wir sind und fühlen auszudrücken! Nur dann, wenn wir authentisch sind, sind wir wirklich „einzigartig ».
Und diese Lust sich auszudrücken, ist und bleibt eine innere Notwendigkeit für die Menschen.
Solange es Menschen gibt, wird es Musik geben, gibt es dieses Grundbedürfnis nach Ausdruck, körperlich und geistig, spielerisch und klanglich. Und weil es ein menschliches Grundbedürfnis ist, ist es etwas, das ihm gut tut. Wie die anderen Vergnügen des Körpers und der Seele, ohne die die Menschheit schon lange aufgehört hätte, zu existieren…

 

RD : – Sie singen in mehreren Sprachen. Kann eine Sprache den Erfolg eines Liedes, einer Sängerin mit sich bringen?

 

SK : – Ich habe eher den Eindruck, dass eine Sprache den Erfolg eines Sängers, je nachdem wo er sich befindet, behindern kann. Dass ich hier in Frankreich fast ausschließlich in englischer Sprache singe, hat sicherlich nicht meine Karriere erleichtert und häufig, vor allem in der Geschäftswelt und in den Medien, eher die Türen verschlossen.

 

RD: – Das kann ich nachfühlen…, das habe ich in meiner eigenen Haut als Poetin auch empfunden…

 

SK: – Diese anfangs in Frankreich erfahrene Einschränkung, erlebe ich jetzt auch in Deutschland, wo man zu Recht stolz ist, auf die ganz neue Welle deutscher Musik. Aber das beeinflusst mich nicht, ich werde mich nicht einem Trend anpassen. Wenn mir eines Tages ein Lied auf Französisch oder Deutsch einfällt, und ich fühle mich gut mit ihm, OK, aber ich werde mich nicht zwingen, einer Mode oder einem Trend gerecht zu werden.
Bisher heute habe ich mich niemals wohl gefühlt, auf Französisch oder Deutsch zu singen – ich spüre nicht die gleiche Intensität, die gleiche klangliche Freude, die gleiche Liebesgeschichte, das selbst Erlebte…

Einerseits finde ich es schade, dass mein Text nicht den Zuhörer direkt erreicht. Das ist auch der Grund, warum meinem Album ein 24-seitiges Booklet beiliegt, mit den Texten in Englisch, Französisch und Deutsch.

Aber im Grunde, um ehrlich zu sein, finde ich es sehr schade, in Europa zu leben und eine solche sprachliche Beschränkung zu empfinden… Wir haben die große Chance, alle 1000 km das Land, die Kultur, die Sprache wechseln zu können, wir diskutieren über das wirtschaftliche Europa und sind noch nicht in der Lage, ein kulturelles zu schaffen, sind unfähig, einfach mit unseren Nachbarn zu kommunizieren.

 

RD : – Was erwartet ihr Publikum von Ihnen?

 

SK : – Soll ich ehrlich sein? Ich weiß wirklich nicht, was ich darauf antworten kann…

 

RD: – Erzählen Sie uns von den Menschen, die Ihnen zuhören und sie unterstützen, weil sie Ihre Stimme lieben…

 

SK: – “Mein“ Publikum kann ich nicht wirklich eingrenzen… es gibt Jung und Alt, die Ewigen, die Heutigen, die Familie, Fremde, Frauen, Männer, Kinder, Liebhaber von akustischer Musik, von Blues, Folk, Jazz, vielleicht etwas melancholisch, sicher sensibel…

 

RD: – Was erwarten Sie von ihm?

 

SK : – Ich versuche, von niemandem etwas zu erwarten – was nicht einfach ist – aber ich versuche es. Dies hindert mich nicht daran, für jedes Feedback glücklich und dankbar zu sein, jede Reaktion interessiert mich sehr. Ich sprach kürzlich mit einem befreundeten Musiker über die „Wertschätzung“ und das „Feedback und er sagte: « Wenn man für die Menschen spielt, dann bietet man ihnen Geschenk. Es ist normal wissen zu wollen, ob es gefallen hat oder nicht. »

 

RD : – Sie haben kürzlich das neue Album Heavy Things & Peaceful Waters aufgenommen, von dem man Gutes hört. Erzählen Sie uns bitte etwas über das künstlerische Labor, in dem diese schönen Kompositionen entstanden, und erhellen uns vielleicht die Bedeutung des Titels.

 

SK : – Ich beginne mit dem Titel, der auch der erste Song des Albums ist. Am Anfang war das Bild eines Steins, der ins Wasser fällt, in ein stilles Wasser, der seine Spiegelfläche zerstört, es beunruhigt, bevor er auf den Grund hinabsinkt um in der Dunkelheit zu landen. Während sich über dem Stein die Wasseroberfläche glättet, alles wieder so ruhig wie zuvor zu sein scheint, hat sich in der Tiefe etwas « grundsätzlich » verändert…

Für mich « spiegelt » dieses Phänomen genau das, was in unserem Inneren Selbst geschieht, in unserem emotionalen Wasser, in unseren « Seelenzuständen“, die oft versteckt in völliger Dunkelheit wirken, und die nicht mit dem oberflächlichen Bild übereinstimmen, das wir der Außenwelt vermitteln.
Ich lebe in der Nähe des Wassers suche immer seine Nähe. Seien es die Flüsse, Seen, das Meer, ich liebe das Geheimnis des Wassers und das, was sich unter seiner Oberfläche versteckt, seine Weichheit, seine Geräusche und seine Stärke, wenn es entfesselt wird.

Von diesen Elementen ausgehend, meiner natürlichen Umgebung, meinem Garten am Ufer der Sarre, hat sich ein anderer roter Faden ganz natürlich ins Bild geschoben: die Veränderung.

 

RD: – Die Métamorphosen…, wie der lateinische Dichter Ovid vorgeschlagen hätte.

 

SK: – Die zyklischen Veränderungen und ewigen Wiederholungen des Lebens, die Jahreszeiten (PEACH TREE), die sich und uns verändernden Zeiten (WILD HORSE, WHO’s WRONG), die schweren, dunklen und schmerzhaften Erfahrungen (COFFIN DRUMMIN’, TACKY OLD MAN), das Kommen und Gehen der Seelen auf der Erde (RING RANG RUNG), dann die ruhigen Momente (SIT DOWN AND WAIT), die angenehmen, hellen und leichten Momente (RIGHT INTO MY EYES).

 

RD : – Und die Entstehung Ihrer CD, die kreativen Schritte?

 

SK : – Was das Laboratorium der CD betrifft, ich habe zu Anfang alle meine Stücke selbst arrangiert und die Proben auf dem Computer zusammengestellt.
Ich schloss mich mehrere Wochen in meinem Aufnahmestudio ein, suchte die Linien für den Bass, Schlagzeug und Percussion, Flöte, Streichinstrumente, nahm die Soundeffekte auf, mischte die Stimmen und Chöre hinzu und ging dann zu meinem Freund Jean-Pascal Boffo, Gitarrist, Komponist und Toningenieur im Studio Amper in Clouange, um seinen Rat einzuholen.

 

RD: – Ah, der außergewöhnliche Jean-Pascal Boffo. 

 

SK : – Er kannte meine Lieder in der Version Gitarre/ Gesang, weil er mich schon früher aufgenommen hatte, wir kennen uns schon über zwanzig Jahre. Als er meine Probeaufnahmen hörte, bot er mir an, gemeinsam ein Album zu produzieren, und brachte mich mit zahlreichen Musikern in Kontakt, die zu diesem musikalischen Kontext passen. Meine Streicherarrangements wurden beispielsweise komplett von Romain Frati, einem Musiker/ Komponist aus Metz, der zur Zeit in Montréal lebt, überarbeitet.
Wir kommunizierten über das Internet und arbeiteten an den Arrangements von drei Chansons, er hat eine bewundernswerte Leistung vollbracht.

Es gibt andere Musiker die Jean-Pascal mir empfohlen hatte, wie Hervé Rouyer (Schlagzeug)  oder Sarah Tanguy (Violoncello).
Manche lernte ich erst am Tag der Aufnahme im Studio kennen, wie z.B. Laurent Payfert (Kontrabass). Pierre Cocq-Amann (Saxophon/Flöte), Romain Bour (E-Bass) oder Marie Charlotte Bruere (Violine/Bratsche).

Die Magie bewirkte, dass Laurent und Pierre heute zu meiner Live-Show gehören. Es gibt auch einige enge Musikerfreunde, die an der Aufnahme beteiligt waren, so wie David Metzner (Schlagzeug/ Percussion und ebenfalls Mitglied der Live-Band), sowie Joe Nicolaus (Pianist in einem früheren Projekt)  und auch mein Mann Marc Loescher (Gitarrist von Suzy & Les Castors).

Jeder hat seinen Platz gefunden und trotz der vielen Instrumente seinen Part, der zu ihm gehört. Das Album bleibt insofern homogen, als alle meine Kompositionen mit viel Sorgfalt und „Gefühl“ von erfahrenen, talentierten und liebenswerten Musikern interpretiert wurden!
Jean-Pascal spielte die Parts der akustischen Gitarre und bediente während der gesamten Produktion das Mischpult.
Wir haben während der gesamten Aufnahmen und dem Abmischen sehr harmonisch gearbeitet, und haben das Mastering im Mai 2014 Raphael Jonin (Paris) anvertraut.

 

RD: – Und die Chronologie des Abenteuers?

 

SK: – Was die Chronologie des Abenteuers betrifft, begannen wir im September 2013 mit Manu D’Andrea am Mischpult mit den Aufnahmen von Jean-Pascal. In den folgenden Monaten, nach ein paar weiteren Sitzungen, haben wir im Februar 2014, als das Album schon weit fortgeschritten war, mit der Subskription auf der Plattform KissKissBankBank begonnen. Es gelang mir, ein Budget von 4.650 € zu sammeln, auch erhielt ich wertvolle Unterstützung von DM Productions/ Maya Rekords, um die Produktion des Albums abzuschließen.
Fred Kempf (FK Webdesign) kümmerte sich um die visuelle Umsetzung, MUSEA Records übernahm den Musikvertrieb und schließlich wurde das Album wie geplant im Juni 2014 veröffentlicht, gefolgt von Konzerten unseres Quintett mit Jean-Pascal, Laurent, Pierre und David.


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Interview im Original lesen auf der Intenetseite "LA LEVURE LITTÉRAIRE"

 


 

Datum der letzten Aktualisierung: 10/03/2015